Formaldehyd in Fertighäusern

Formaldehyd – Ein Schadstoff mit Langzeitwirkung

Formaldehyd im Fertighaus? Methanal oder Formaldehyd ist „fester“ Bestandteil älterer Holz-Fertighäuser der Baujahre 1950 – 1993, da Spanplatten in diesen Jahrzehnten unter Verwendung von Harnstoff-Formaldehydharzen (UF) als FormaldehydmessungBindemittel hergestellt wurden. In diese Bindemittel-Matrix wurden Holzspäne eingestreut, vermengt und die resultierende Masse zu Spanplatten gepresst. Diese fanden vielfältigen Einsatz im Bau- und Ausbau von Immobilien. Der hohe Grad an Möglichkeiten der Vorfertigung führte zur Idee der Holzfertighäuser, die auf diese Weise weitgehend vom Wetter unabhängig in Hallen gefertigt und innerhalb einer kurzen Bauzeit errichtet werden konnten.

Das im Bindemittel (Harnstoff-Formaldehydharz) enthaltene Formaldehyd ist in den Spanplatten aber nicht fest gebunden, sondern wird kontinuierlich in die Raumluft abgegeben. Dieser Vorgang kann auch noch Jahrzehnte später durch eine Raumluftmessung nachgewiesen werden, weshalb die Raumluftuntersuchung Teil des von uns angebotenen Fertighaus-Checks ist.

Formaldehyd ist als krebserregend eingestuft und in Innenräumen nur bis zu einer bestimmten Konzentration tolerierbar. Die Richtwerte für die Innenraumluft schwanken je nach Institution und Land. Da es auch heute noch in Holzwerkstoffen, wie z.B. Laminat und Spanplatten, aber auch in Polstermöbeln, Desinfektionsmitteln und Kosmetika vorkommt, ist eine Hintergrundbelastung in Wohnräumen nicht ganz zu vermeiden. Baubiologische Richtwerte liegen bei ca. 30 Mikrogramm / Kubikmeter Raumluft. Erhöhte Werte können zu Schleimhaut- und Atemwegsreizungen führen und bei dauerhafter Exposition auch zu Krebserkrankungen. Das Umweltbundesamt gibt einen Richtwert von 120 Mikrogramm / Kubikmeter Raumluft als Vorsorgewert an. Sensible Personen können aber schon bei deutlich geringeren Konzentrationen mit körperlichen Symptomen reagieren. Daher hat die WHO (World Health Organisation) den Vorsorgewert auf 60 Mikrogramm / Kubikmeter Raumluft abgesenkt.

Das Umweltbundesamt sieht dagegen keine Notwendigkeit für eine Absenkung des Vorsorgewerts, was aber kein Anlass zur Entwarnung ist, da die deutschen Forschungsabteilungen mit der Vielzahl der neuen Substanzen, die jährlich auf den Markt kommen, überfordert sind und nicht zuletzt wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen.

Es ist also an jedem selbst zu entscheiden, welchem Richtwert er vertraut. Aus baubiologischer Sicht ist es besonders bei krebserregenden Substanzen sinnvoll, diese in der Raumluft zu minimieren. Nicht umsonst gibt es laut TRGS 905, also dem offizielle Verzeichnis krebserrgender Stoffe, keine Konzentrationsangabe (save-level) bei diese Substanzen, bei denen kein Krebsrisiko verbleibt. Eine Reduktion ist daher empfehlenswert.