Formaldehyd im Fertighaus

Formaldehyd – Ein Schadstoff mit Langzeitwirkung

Formaldehyd im Fertighaus? Methanal oder Formaldehyd ist „fester“ Bestandteil älterer Holz-Fertighäuser der 50er – 80er Jahre, da Spanplatten in diesen Jahrzehnten unter Verwendung von Harnstoff-Formaldehydharzen (UF-Harze) als FormaldehydmessungBindemittel hergestellt wurden. In diese Bindemittel-Matrix wurden Holzspäne eingestreut, vermengt und die resultierende Masse zu Spanplatten gepresst. Diese fanden vielfältigen Einsatz im Bau- und Ausbau von Immobilien. Der hohe Grad an Möglichkeiten der Vorfertigung führte zur Idee der Holzfertighäuser, die auf diese Weise weitgehend vom Wetter unabhängig in Hallen gefertigt und innerhalb einer kurzen Bauzeit errichtet werden konnten.

Das im Bindemittel (Harnstoff-Formaldehydharz) enthaltene Formaldehyd ist in den Spanplatten aber nicht fest gebunden, sondern wird kontinuierlich in die Raumluft abgegeben. Dieser Vorgang kann auch noch Jahrzehnte später durch eine Raumluftmessung nachgewiesen werden. Formaldehyd im Fertighaus lässt sich somit praktisch nicht vermeiden. Daher ist eine Raumluftuntersuchung  auf Formaldehyd Teil des von uns angebotenen Fertighaus-Checks .

Formaldehyd ist als krebserregend eingestuft und sollte in Innenräumen nur bis zu einer bestimmten Konzentration toleriert werden. Die Richtwerte für die Innenraumluft schwanken je nach Institution und Land. Da Formaldehyd auch heute noch in Holzwerkstoffen, wie z.B. Laminat und Spanplatten, aber auch in Polstermöbeln, Desinfektionsmitteln und Kosmetika vorkommt, ist eine Hintergrundbelastung in Wohnräumen nicht ganz zu vermeiden. Baubiologische Vorosrgerichtwerte liegen bei ca. 30 Mikrogramm / Kubikmeter Raumluft. Erhöhte Werte können zu Schleimhaut- und Atemwegsreizungen führen und bei dauerhafter Exposition auch zu Krebserkrankungen der respiratorischen Trakts (Atemwege).

Das Umweltbundesamt gibt einen Richtwert von 100 (seit 2016, vormals: 120) µg / m3 Raumluft als Vorsorgewert an. Sensible Personen können aber schon bei deutlich geringeren Konzentrationen mit körperlichen Symptomen reagieren. Daher hat die WHO (World Health Organisation) den Vorsorgewert auf 60 µg / m3 Raumluft abgesenkt.

Das Umweltbundesamt sieht dagegen keine Notwendigkeit für eine Absenkung des Vorsorgewerts, was aber kein Anlass zur Entwarnung ist, da die deutschen Forschungsabteilungen mit der Vielzahl der neuen Substanzen, die jährlich auf den Markt kommen, überfordert sind und nicht zuletzt wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen. Frankreich ist da schon weiter. Dieses hat einen Vorsorgerichtwert von 10 µg / m3 Raumluft festgelegt, der aber mit den zur Verfügung stehenden Möbeln und Textilien nur schwer zu unterschreiten ist.

Es ist also an jedem selbst zu entscheiden, welchem Richtwert er vertraut. Aus baubiologischer Sicht ist es besonders bei krebserregenden Substanzen sinnvoll, diese in der Raumluft zu minimieren. Nicht umsonst gibt es laut TRGS 905, also dem offiziellen Verzeichnis krebserregender Stoffe, keine Konzentrationsangabe  für diese Substanzen, bei denen kein Krebsrisiko  verbliebe (save-level). Eine Minimierung solcher Substanzen ist daher mehr als empfehlenswert. Um so erstaunlicher ist es, dass für Formaldehyd 100 µg / m3 gemäß Umweltbundesamt sicher sein sollen. Der Lobbyismus lässt grüßen.

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