Innenraumluft und Innenraumluftqualität

Innenraumluft – Qualität, die Beachtung verdient

Innenraumluft

Qualität der Innenraumluft? „Es gab einmal eine Zeit, da flackerte die Kerzenflamme im Luftzug, obwohl Fenster und Türen geschlossen waren. Blätter auf dem Fußboden wurden von der Luft mitgeführt und sammelten sich in einer Ecke im Zimmer, das trotz eines großen Kaminfeuers nur schwer zu erwärmen war.“

Nun, solche Szenarien stammen aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts und davor. Aber auch wenn diese Art des Wohnens nach heutigem Verständnis mehr als unkomfortabel war, hatte diese einen klaren Vorteil: Eine Anreicherung von Feuchte oder schädlichen Substanzen in der Raumluft wurde durch die fehlende Dichtheit der Gebäudehülle weitgehend verhindert (sonst wäre die Menschheit in Europa damals vermutlich schon aufgrund der offenen Kamine ausgestorben ;-).

Luftdichte Gebäudehüllen

Seit der Öl-Energiekrisen in den 70er Jahren werden Gebäude in zunehmendem Maße dichter gebaut. Wo vormals noch Holz auf Holz ein Fenster ‚verschloss‘, wurden im Laufe der Jahrzehnte erst eine, dann zwei und heute bereits drei bis vier(!) Dichtungen eingebaut. Kein Quäntchen Raumluft darf ohne Erlaubnis entweichen, um die teure Wärmeenergie nicht zu verlieren. Diese isolierte Ausrichtung der Energieeinsparung bringt diverse Nachteile mit sich: Wenn keine Luft den Raum verlässt, bleibt auch alles im Raum, was dort produziert und emittiert wird. Angefangen beim ausgeatmeten CO2, über die Gerüche von Körper und Küche bis hin zu den schädlichen Substanzen, die aus Teppichen, Möbeln und bauchemischen Produkten in die Innenraumluft übergehen. Deren Anreicherung im Raum führt zu Mißempfindungen, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit. Die Fenster öffnen würde Abhilfe schaffen, aber geprägt durch die fortwährenden drohenden Zeigefinger der Medien zur Energieeinsparung, vermeidet der moderne Mensch häufiges Lüften. Nicht zuletzt weil es im Winter ja auch sofort ‚ungemütlich‘ wird, wenn die frische, klare Außenluft an Arm und Bein gelangt.

Dass der moderne Mensch sich den Großteil des Tages in Räumen aufhält, wird im Internet erschöpfend eindringlich dargestellt. Genauso häufig und eindringlich werden Anfragen an uns gerichtet, in denen Büromitarbeiter oder Vorgesetzte über Befindlichkeitsstörungen und erhöhte Krankenstände bei den Angestellten berichten. Unsere Raumluftuntersuchungen ergeben dann häufig erhöhte Konzentrationen an flüchtigen organischen Verbindungen in der Büro-Raumluft, auf die die körperlichen Symptome z. T. zurück geführt werden können.

Krank durch Büroluft?

Verwunderlich? Wenn man sich bildlich vor Augen führt, dass der Gasaustausch in der Lunge über eine Fläche von der Größe einer Eigentumswohnung (80 m2) erfolgt, wird die Brisanz von Schadstoffen in der Innenraumluft vielleicht deutlicher, denn auf dieser großen Fläche finden Schadstoffmoleküle genügend Platz und werden mit jedem Atemzug in den Körper aufgenommen. Und auch wenn dies nicht automatisch zu schweren Erkrankungen führt, ist dies eine unnötige Belastung des Körpers auf die der ein oder andere reagiert.

Das Umweltbundesamt hat zur Vermeidung von gesundheitlichen Wirkungen Richtwerte für die Innenraumluft festgelegt, die als Einschreit- und Vorsorgewerte zu verstehen sind. Aktuell existieren zwei Richtwerte (für ausgewählte Substanzen):

Richtwert II ist ein wirkungsbezogener Wert. Dieser wurde auf Basis des gegenwärtigen Stand des Wissens unter Berücksichtigung von toxikologischen und epidemiologischen Erkenntnissen und unter Berücksichtigung von Unsicherheitsfaktoren für verschiedene Substanzen festgelegt. Bei Erreichen oder Überschreitung dieser Konzentration sind unverzüglich Maßnahmen zur Absenkung einzuleiten, da bei empfindlichen Personen eine gesundheitliche Gefährdung dann nicht mehr ausgeschlossen werden kann.“

Richtwert I ist ein Vorsorgewert. Dieser wurde auf Basis des gegenwärtigen Stand des Wissens unter Berücksichtigung von toxikologischen und epidemiologischen Erkenntnissen und unter Berücksichtigung eines zusätzlichen Unsicherheitsfaktors (meist Faktor 10) für verschiedene Substanzen festgelegt, bei Unterschreiten dessen keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten ist, auch wenn der Mensch diesem Stoff lebenslang ausgesetzt ist.

Dieser Richtwert I ist daher als die empfohlene maximale Konzentration eines Stoffes in der Innenraumluft anzusehen, da eine Überschreitung „mit einer über das übliche Maß hinausgehenden, unerwünschten Belastung verbunden“ ist (Zit.: Umweltbundesamt).

Also: Schön, dass es Richtwerte gibt, aber die beste Luft gibt es (in den meisten Fällen) draußen vor dem Fenster! Daher ist Außenluft die beste Vorsorge!