KMF und KMF-Messung

Künstliche Mineralfasern

Neben natürlichen Mineralfasern (Asbest) finden sich in vielen Gebäude regelmäßig auch künstliche Mineralfasern (KMF). Diese bestehen in den meisten Fällen aus Glas- oder Steinwolle und werden in der Regel in Form von Matten als Wärmedämmung auf der obersten Geschossdecke oder zwischen den Sparren verwendet. In Trockenbauwänden werden KMF-Matten häufig auch zum Zwecke des Schallschutzes Künstliche Mineralfaserneingebracht. Im Bereich des Brandschutzes im Hochbau fungieren sie häufig als Brandriegel, um eine Ausbereitung der Flammen auf höhere Stockwerke zu verhindern.

Glasfasern werden aus Altgals mit einer Beimischung von Quarzsand, Kalk und Soda produziert. Steinwolle besteht aus Kalkstein, Dolmit, Basalt oder Diabasgestein hergestellt. Aufgrund der Lungengängigkeit von KMF-Fasern mit einer Länge von kleiner 250 Mikrometer und einer Dicke von < 3 Mikrometern stehen diese im Verdacht kanzerogen (krebserregend) zu sein. Dies wurde zumindest im Tierversuch nachgewiesen, weshalb KMF seit ca. 2000 nur noch mit bestimmten Eigenschaften produziert werden darf. Hier ist z.B. die Biolöslichkeit zu nennen, d.h. die Verweildauer in der Lunge darf nicht länger als 40 Tage betragen, was durch deren Einstufung in einen Kanzerogenitätsindex (KI) von 40 ausgedrückt wird. Innerhalb dieses Zeitraums wird nicht von einer kanzerogenen Wirkung ausgegangen. Als besonders kritisch werden Fasern betrachtet, die länger als 5 Mikrometer und dünner als 3 Mikrometer sind und deren Längen / Durchmesserverhältnis < 3 ist. Da die Menge an Fasern dieser Dimension nicht vorhergesagt werden kann, wird dringend empfohlen beim Umgang mit diesem Baustoff entsprechende Schutzmaßnahmen (Atemschutz, Brille) zu ergreifen, da beim Ein- und Ausbau von KMF mit einer Raumluftkonzentration von mehrerem hunderttausend Fasern je Kubikmeter Raumluft gerechnet werden muss. Dies gilt insbesondere beim Rückbau von KMF-Produkte älteren Datums (vor 2000). Sollten die Rückbauarbeiten nicht fachgerecht erfolgen (Sicherheitsmaßnahmen und Schutz der Umgebung vor Faserbelastungen) sollte eine Raumluftmessung auf künstliche Mineralfasern durchgeführt werden, um eine eventuell bestehende Gefährdung bei Nutzung des Raumes zu ermitteln. Da für krebserregende Stoffe kann keine Wirkungsschwelle und somit auch keine gesundheitlich unbedenkliche Faserdosis angegeben werden. Daher ist nach Arbeiten mit künstlichen Mineralfasern älteren Datums eine Feinreinigung durchzuführen, deren Erfolg im Anschluss durch eine Raumluftmessung überprüft werden sollte. Nur so kann sichergestellt werden, dass eine Gefährdung der Nutzer der Räume ausgeschlossen ist. Erst seit 2005 gilt eine neue – europaweite – Gefahrstoffverordnung (GeffStoffV), durch die auch KMF-Importe entsprechende Kanzerogenitätsindizes aufweisen müssen.Bis zu diesem Datum kann nicht ausgeschlossen werden, dass krebserregende Fasern im Hochbau verwendet wurden.

Raumluftmessungen auf KMF erfolgen auf gleiche Weise wie Asbestuntersuchungen. Es wird ein definiertes Luftvolumen durch einen Kernporenfilter gesaugt. Die Untersuchung erfolgt unter Nutzungsbedingungen oder es wird eine Nutzung simuliert (Provokationsmessung). Das Filter wird anschließend unter dem Elektronenmikroskop auf KMF-Fasern untersucht und die Konzentration je Kubikmeter Raumluft ermittelt.

Sofern Rückbaumaßnahmen von KMF-Produkten in Ihrer Immobilie erfolgt sind und Sie den Verdacht haben, dass die Sanierung nicht fachgerecht durchgeführt wurde (z.B. sichtbare Faserbelastung auf den Oberflächen), führen wir gerne eine Untersuchung der Raumluft durch und geben Ihnen eine Gefährdungsbeurteilung.