Schimmel und Gesundheit

Gefährdet Schimmel unsere Gesundheit?

Schimmel und GesundheitWenn Schimmel im Haus oder in der Wohnung entdeckt werden, ist die Aufgregung häufig groß. Nicht zuletzt, weil die Medien das Thema Schimmel in den letzten Jahren stark im Fokus hatten und von einer gesundheitlichen Gefährdung bei Schimmel in der Wohnung berichteten. Dabei wird häufig sehr reißerisch von einem erheblichen Risiko für die Gesundheit der Mieter und Bewohner berichtet. Dies ist nur bedingt richtig. Der folgende Beitrag soll daher mehr Klarheit in den Kontext Schimmelpilz und Gesundheit bringen und wird in Form Frage – Antwort dargestellt.

Im Folgenden finden Sie einige Antworten auf  Fragen, die regelmäßig zum Thema Schimmel an uns gestellt werden:

Frage: „In den Fliesenfugen in meiner Dusche bilden sich trotz Reinigung immer wieder schwarze Flecken? Ist das gefährlicher Schimmel?“

Antwort: „Generell benötigen Schimmelpilze zum Wachsen ausreichende Feuchtigkeit. Wie feucht es sein muss, ist von Art zu Art unterschiedlich. In einer Dusche finden diverse Schimmelpilze gute Wachstumsbedingungen in Form von Nährstoffen (Hautschuppen, Hautfett, Seifenreste, etc.) und Feuchtigkeit vor. Besonders die Fliesenfugen werden häufig besiedelt, da in den Poren des Fugenmörtels trotz Reinigung Nährstoffe zurückbleiben und sich die Feuchtigkeit dort länger hält als auf der Fliesenoberfläche. Die Gefahr die von diesen Schimmelpilzen ausgeht ist aber in der Regel gering, da die befallene Fläche eher klein ist und die Sporen beim Duschen zum Teil von der Oberfläche abgewaschen in den Ausguss gelangen und weniger in die Raumluft. Es handelt sich bei den schwarzen Fugen daher eher um ein kosmetisches Problem. Wenn die Fliesen nach dem Duschen mit einem Fensterleder oder -abzieher getrocknet werden, kann ein Befall mit Schimmelpilzen meist stark reduziert werden. Sind die Flecken bereits gut sichtbar, können die Fugen mit Bleichmittel (chlorfrei!)  aufgehellt werden. Das Bleichmittel ist gleichzeitig sporozid, so dass es einer Ausweitung des Befalls entgegen wirkt. Eine alte Zahnbürste hilft bei der Anwendung.“

Frage: „Vor einigen Wochen gab es einen Wasserrohrbruch in der Wohnung. Dabei wurden das Bad und angrenzende Räume überschwemmt. Der Vermieter hat eine Firma beauftragt, die das Rohr repariert und Trocknungsgeräte aufgestellt haben. Ist das ausreichend?“

Antwort: „Das Aufstellen von Trocknungsgeräten ist ein wichtiger Schritt, aber häufig nicht ausreichend. Bei einer massiven Überschwemmung in Wohnungen muss damit gerechnet werden, dass das Wasser auch unter den Estrich läuft. Da Schimmelpilzsporen allgegenwärtig sind, keimen diese unterhalb des Estrichs aus und es bildet sich ein häufig massiver Schimmel- und Bakterienbefall, der häufig über lange Zeit unbemerkt bleibt. Die neu gebildeten Sporen können über die Randfugen in den Innenraum und die Atemluft gelangen. Je nach Gattung und Art der Schimmelpilze kann es durch die anhaltende Belastung des menschlichen Organismus zu Erkrankungen kommen. Menschen reagieren aber unterschiedlich sensibel auf Schimmelpilze. Daher kann hierzu keine pauschale Antwort gegeben werden. Es gilt das Gebot der Minimierung von Schimmelpilzen in der Raumluft. Nach  Überschwemungen in Wohnungen ist es daher absolut notwendig auch den Unterestrichbereich untersuchen und ggfls. trocknen zu lassen.“

Frage: „Welche Schimmelpilze gefährden die Gesundheit und wo kommen diese vor?“

Antwort: „Generell sind jene Schimmelpilze gefährlich, die in der Lage sind auch bei 37 °C (Körpertemperatur) zu wachsen und sich zu vermehren. Diese können z. B. Nasennebenhöhlen und Stirnhöhlen besiedeln und zu Entzündungen und chronischen Atemwegserkrankungen führen. Einige Arten können Lungenmykosen (z. B. Gattung Aspergillus), Asthma bronchiale oder auch eine exogene allergische Alveolitis (Entzündung der Lungenbläschen) verursachen. Um derartige Erkrankungen auszulösen, sind bei gesunden Personen aber sehr hohe Keimzahlen in der Raumluft notwendig. Bei Kindern, älteren Menschen oder immunsupprimierten Personen genügen aber auch geringere Konzentrationen, da deren Immunstatus noch nicht ausreichend entwickelt bzw. geschwächt ist. Dies gilt auch bei Organtransplantationen, Chemotherapie, AIDS, Dialyse-Patienten, etc. Bekannte pathogene Arten mit klinischer Relevanz sind z. B. Mucor sp., Chaetomium globosum, Aspergillus versicolor, Aspergillus restrictus, Aspergillus fumigatus, Acremonium sp., etc.  Davon sind einige ausgewiesene Feuchteindikatorpilze für Feuchteschäden in Gebäuden (Chaetomium, A. versicor, A. restrictus, Acremonium sp.), andere kommen auch in der Außenluft, besonders in ländlichen Gebieten, vor. Aspergillus fumigatus wächst z. B. auch auf verotttendem organischen Material (Komposthaufen). Entscheidend für eine Wirkung auf die Gesundheit sind somit mehrere Faktoren, also die Menge an Sporen in der Raumluft, die Gattung und Art der Schimmelpilze, der Immunstatus der betroffenen Personen und

Frage: „Ich mache mir Sorgen, dass bei uns Schimmel in der Wohnung ist. Riechen kann man nichts aber seit einigen Monaten geht es mir körperlich nicht gut. Ich leide unter häufigen Erkältungen, fühle mich generell abgeschlagen und morgens ist mir schwindelig. Teilweise brennen mir auch die Augen. Kann das von Schimmel im Schlafzimmer kommen?“

Antwort: „Besonders im Schlafzimmer ist es wichtig, dass wir eine möglichst unbelastete Raumluft einatmen, da der menschliche Organisums im Schlaf Erholung sucht. Wenn der Körper nachts aber mit Schadstoffen kämpfen muss, ist die Erholung geringer und kann sich tagsüber durch schnellere Erschöpfung, Konzentrationsschwäche, Infektanfälligkeit u. a. ausdrücken. Diese Symptome sind aber unspezifisch und können auch durch andere Faktoren ausgelöst werden. Wie oben bereits beschrieben sind Schimmelpilze für gesunde Personen nicht direkt gefährlich, im Sinne von schwerer Erkrankung. Dennoch können sie auch bei diesen Allergien auslösen bzw. für eine Allergie sensibilisieren. Besonders bei Personen, die bereits an Allergien oder Neurodermitis leiden. Wenn es also Verdachtsmomente für Schimmel in der Wohnung gibt, sollte dies durch eine Raumluftmessung überprüft werden. Dies ist um so wichtiger, wenn  einige Tage oder Wochen zuvor einen Wassserschaden in der eigenen oder angrenzenden Wohnung vorlag. Häufig werden diese nur unzureichend saniert, so dass die Restfeuchte in Wänden oder Decken ausreicht, um Schimmelpilze erneut wachsen zu lassen. Dies kann zunächst nicht sichbar hinter Tapeten un Wandverkleidungen erfolgen (s. Beitrag des Umweltbundesamts 2015)