Raumluftgutachten

Raumluftgutachten im Rahmen von Schadstoffuntersuchungen haben den Zweck die konkrete Gefährdung bei Nutzung von Räumlichkeiten zu ermitteln. Sie sind oft Teil eines umfassenden Schadstoffgutachtens, werden aber auch als solitäre Gutachten verwendet. Sie werden von Privatpersonen, Gewerbe und Industrie, aber auch Kommunen und Bund beauftragt, um Rechtssicherheit im Rahmen von geltendem Recht (Arbeitsschutz) oder gegenüber Dritten zu erhalten.

Private Raumluftgutachten

Raumluftgutachten werden in den unterschiedlichsten Bereichen und Kontexten notwendig. So dienen privat beauftragte Raumluftgutachten oft der Kontrolle der Raumluft nach dem Einzug in eine neue Immobilie: Mieter teilen uns oft mit, dass erst nach dem Einzug in die neue Mietwohnng körperliche Symptome aufgetreten sind. Oder es ist eine Renovierung oder Reparatur in der Wohnung erfolgt und einige Wochen später kommt es bei den Bewohnern zu Missempfindungen. Es treten Reizungen in den Atemwegen oder Kopfschmerzen auf oder das Konzentrationsvermögen lässt nach (s. auch Symptome). Eine Untersuchung der Raumluft ist in Räumen mit langen Verweilzeiten (Wohn-, Schlaf-, Kinderzimmer) wichtiger, als etwa im Badezimmer oder der Abstellkammer mit eher kurzen Verweilzeiten.

Ebenso werden Raumluftgutachten beim Erwerb von Immobilien angefordert. Die betrifft Massivhäuser ebenso wie (Holz-)Fertighäuser. Bei Holzfertighäusern kommt hinzu, dass die meisten Banken und Sparkassen die Vergabe eines Darlehens von einem Raumluftgutachten abhängig machen. Sind die Konzentrationen in der Immobilie zu hoch, wird das Darlehen verweigert. Hintergrund ist, das der Wert einer Immobilie bei erhöhter Belastung der Raumluft nicht dem geforderten Kaufwertpreis entspricht. Damit ist die Sicherheit für die Bank bei Zahlungsausfällen in Form der Immobilie nicht gegeben und die Bank lehnt die Darlehensanfrage ab.

Gewerbliche Raumluftgutachten

Von Unternehmen in Auftrag gegebene Raumluftgutachten betreffen meist Büroräume, deren Nutzer von Symptome an den Augen oder den Atemwegen berichten (Hustenreiz, Räusperzwang, brennende Bindehäute, Erschöfpungszustände, etc.). Ursache hierfür sind manchmal Einrichtungsgegenstände, manchmal ein Übergang von Reizstoffen aus der Produktion in die Büroräume, manchmal auch nur eine zu geringe Raumluftfeuchte. Die Ursachen können aber auch komplexer sein und erst durch die Zusammenkunft unterschiedlicher Faktoren zu einer körperlichen Wirkung führen. Die individuelle Sensibilität stellt hier ebenfalls einen nicht zu vernachlässigen Faktor dar.

Raumluftgutachten beim Arbeitsschutz

Im Rahmen des allgemeinen Arbeitsschutzes sind Raumluftgutachten ebenso notwendig, wenngleich solche in diesem Fall der Überprüfung der Hintergrundkonzentration dienen. Diese wird in bestimmten Fällen bei der Ermittlung des Schichtmittelwerts gemäß TRGS 402 relevant. Dieser stellt die über die Zeit gemittelte Konzentration an Schadstoffen dar, welcher Arbeiter während einer Schicht ausgesetzt sind. Hier sind sowohl Stäube, als auch Aerosole, Rauche und Gase relevant.

Raumluftgutachten sind aussagekräftig, da nur für die Raumluft offizielle Richtwerte bzw. Grenzwerte existieren, die unterschritten werden sollten bzw. müssen, um eine gesundheitliche Wirkung weitgehend ausschließen zu können. Ein Raumluftgutachten ist daher der direkte Weg, die Belastungssituation in Innenräumen (bzw. an Arbeitsplätzen) zu überprüfen und die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Absenkung von Schadstoffkonzentrationen zu ermitteln.

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