Die Wahl des richtigen Messverfahrens ist entscheidend für die Aussagekraft einer Schimmelmessung.
Nicht jedes Verfahren liefert verlässliche Ergebnisse. Insbesondere einfache, frei verkäufliche Testverfahren führen häufig zu Fehlinterpretationen und erlauben keine sichere Bewertung der tatsächlichen Belastung der Raumluft.
Im Folgenden werden die wichtigsten Verfahren zum Nachweis von Schimmel in Innenräumen sowie deren Aussagekraft erläutert.
Inhalte dieser Seite:
- Welche Messverfahren zum Nachweis von Schimmel eingesetzt werden
- Wie eine aktive Schimmelpilzmessung abläuft
- Wie die Analyse im Labor erfolgt
- Wie Messergebnisse fachlich bewertet werden
Generelle Messverfahren zum Nachweis von Schimmel
Zum Nachweis von Schimmel in Innenräumen stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die sich in ihrer Aussagekraft und ihrem Anwendungsbereich deutlich unterscheiden.
Grundsätzlich wird zwischen aktiven und passiven Messmethoden unterschieden. Darüber hinaus kann eine Untersuchung gezielt auf keimfähige (lebende) oder unter Berücksichtigung keimunfähiger (toter) Schimmelpilzsporen ausgerichtet werden.
Ergänzend setzen wir Verfahren wie Abklatsch- oder Abstrichmethoden ein, die vor allem in hygienisch sensiblen Bereichen wie der Lebensmittelindustrie oder medizinischen Einrichtungen verwendet werden.
Im Überblick ergeben sich damit folgende Untersuchungsmöglichkeiten:
- aktive Raumluftmessung
- passive Raumluftmessung
- Messung auf keimfähige Schimmelpilzsporen (aktiv und passiv)
- Messung auf keimunfähige Schimmelpilzsporen (nur aktiv möglich)
- Abklatschverfahren
- Abstrichverfahren
Welche dieser Methoden sinnvoll ist, hängt maßgeblich von der jeweiligen Fragestellung und der Situation vor Ort ab.
Ablauf einer aktiven Schimmelmessung
Raumluftmessung auf Schimmelpilze

Bei einer aktiven Raumluftmessung saugen wir ein definiertes Luftvolumen gemäß VDI 4300 Blatt 10 mit einem geeigneten Probenahmesystem durch einen Sammelkopf an.
Die in der Luft enthaltenen Schimmelpilzsporen werden dabei auf einen Nährboden abgeschieden. Durch die gezielte, aktive Ansaugung wird sichergestellt, dass die tatsächlich in der Luft befindlichen Sporen erfasst werden.

Dieses Verfahren wird mit unterschiedlichen Nährböden durchgeführt, da nicht jeder Schimmelpilz auf dem gleichen Nährboden wächst. Je Nährboden saugen wir unterschiedliche Raumluftvolumina an, damit bei Überbelegung eines Nährbodens mit Schimmelpilzen auf einen Nährboden mit geringerer Belegungsdichte zurückgegriffen werden kann. Als Referenz wird zusätzlich eine Messung im Außenbereich durchgeführt.
Bedeutung für die Praxis:
Dieses Verfahren ermöglicht eine gezielte und belastbare Bewertung der aktuellen Raumluftqualität.
Nährböden und Referenzmessung
Da nicht alle Schimmelpilze auf den gleichen Nährböden wachsen, werden unterschiedliche Nährmedien eingesetzt. Auf diese Weise kann ein möglichst breites Spektrum an Schimmelpilzen erfasst werden. Ergänzend wird in der Regel eine Vergleichsmessung der Außenluft (oder eines geeigneten Referenzmesspunkts) durchgeführt.
Warum die Referenzmessung wichtig ist:
Erst der Vergleich zwischen Innen- und Außenluft (Referenz) erlaubt eine fachliche Bewertung, ob eine relevante Innenraumquelle vorliegt.
Weisen die Ergbnisse auf eine Schimmelpilzquelle hin, ist es im Anschluss unbedingt notwendig deren Ort und deren Ursache zu ermitteln. Mehr zu diesem Thema können Sie unter „Ursachenermittlung von Schimmelpilzen“ mehr erfahren.
Kultivierung und Analyse im Labor
Die auf den Nährböden abgeschiedenen Sporen werden im Labor unter definierten Temperaturbedingungen für 7 – 10 Tage inkubiert. Innerhalb weniger Tage bilden sich aus den einzelnen Sporen Kolonien, die anhand morphologischer Merkmale nach Gattung und Art differenziert werden.
Die Anzahl der Kolonien wird anschließend auf das untersuchte Luftvolumen bezogen und als Konzentration (z. B. KBE/m³) angegeben (KBE=Koloniebildende Einheiten).
Bedeutung für die Bewertung:
Erst diese Kombination aus qualitativer und quantitativer Analyse ermöglicht eine fundierte Einschätzung der Raumluftbelastung und der Gefährdung für die Gesundheit.
Fachliche Bewertung der Ergebnisse
Die Bewertung der Messergebnisse erfolgt unter Berücksichtigung von Gattung, Art und Konzentration der nachgewiesenen Schimmelpilze. Je nach Befund kann ein erhöhter Handlungsbedarf bestehen, insbesondere wenn bestimmte Arten nachgewiesen werden, die allergene oder toxische Stoffwechselprodukte bilden können.
Zeigen die Ergebnisse Hinweise auf eine Quelle, ist im nächsten Schritt eine gezielte Ursachenermittlung erforderlich.
Ablauf einer passiven Messung auf Schimmel
Bei der passiven Messung werden Nährböden über einen längeren Zeitraum offen im Raum aufgestellt. Schimmelpilzsporen lagern sich dabei durch natürliche Luftbewegungen auf diesen ab. Da dieser Prozess stark von äußeren Einflüssen wie Luftströmung, Nutzung des Raumes und Partikelgröße abhängt, ist die Aussagekraft eingeschränkt. Zudem ist je nach Wetterlage über die Tage der Einfluss der Außenluft schwer einzuschätzen.
Einordnung der Methode:
Die passive Messung kann erste Hinweise liefern, erlaubt jedoch keine zuverlässige quantitative Bewertung der aktuellen Raumluftbelastung. Sie stellt daher keine echte Alternative zu einer fachgerechten aktiven Raumluftmessung dar.
Vorteile einer aktiven Probenentnahme von Raumluft
Im Vergleich zur passiven Methode bietet die aktive Probenahme eine deutlich höhere Aussagekraft. Dies liegt insbesondere daran, dass die Probenahme kontrolliert und unter definierten Bedingungen erfolgt.
Die wichtigsten Vorteile sind:
- Quantitative Bewertung: Bestimmung der tatsächlichen Sporenkonzentration in der Raumluft ist möglich (bei einer passiven Probenentnahme kann dagegen nur ein Sporenprofil über die Zeit erfasst werden, keine akute Belastung).
- Direkter Bezug zur Luftqualität: Eine aktive Probennahme gibt Auskunft darüber, wie viele Schimmelsporen tatsächlich in der Luft vorhanden sind und damit auch darüber, wie die Luftqualität zu einem bestimmten Zeitpunkt aussieht. Bei der passiven Probennahme ist dies nicht möglich.
- Erfassung schwebender Partikel: Es werden auch nicht sedimentierte Sporen berücksichtigt.
- Schnelligkeit und Flexibilität: Ist besonders in akuten Fällen von Schimmelbefall wichtig, wenn man schnell herausfinden möchte, ob die Luftbelastung problematisch ist und ggf. sofortige Maßnahmen ergriffen werden müssen.
- Gezielte Messungen: Vergleichende Untersuchung mehrerer Räume oder größerer Bereiche präziser möglich.
- Differenzierung von Schimmelarten: Grundlage für eine fachliche Bewertung. Bei einer passiven Probenahme lässt sich zwar auch eine Differenzierung der Sporenarten durchführen, aber nur wenn die Kolonie sich nicht gegenseitig überwachsen (zu viele Schimmelpilzsporen auf dem Nährboden).
- Unterstützung der Ursachensuche: Die Ursachenermittlung wird vereinfacht, da räumliche Unterschiede sichtbar werden (ungenau bei der passiven Probenahme).
Für eine belastbare Bewertung der Raumluft ist die aktive Probenahme das maßgebliche Verfahren.
Messung auf keimfähige Schimmelpilzsporen (KBE-Messung)
Bei der Untersuchung auf keimfähige Schimmelpilzsporen können ausschließlich lebensfähige Sporen erfasst werden, die unter geeigneten Bedingungen auskeimen können. Eine Untersuchung auf keimfähige Sporen wird daher auch KBE-Messung genannt (KBE = koloniebildende Einheiten). Diese bilden auf den Nährböden Kolonien, die wir im Labor nach Gattung und Art differenzieren und auszählen.
Die Untersuchung der Raumluft auf keimfähige Schimmelpilzsporen kann durch eine aktive und eine passive Messung erfolgen (die Aussagekraft der beiden Methoden wurde bereits oben kommentiert).
Relevanz: Die KBE-Messung eignet sich somit insbesondere zum Nachweis und Bewertung eines aktiven Schimmelbefalls.
Messung auf lebende und tote Schimmelpilzsporen (GS-Messung)
Neben den keimfähigen Sporen können auch nicht mehr lebensfähige Sporen gesundheitlich relevant sein. Diese behalten ihre allergenen und toxischen Eigenschaften, auch wenn sie nicht mehr auskeimen können. Da tote Sporen nicht auskeimen können, werden sie bei einer KBE-Messung nicht erfasst.
Zum Nachweis dieser wird die sogenannte Gesamtsporenmessung (GS-Messung) angewendet. Dabei werden die Sporen und Partikel aus der Raumluft aktiv angesaugt, auf adhäsiven Objektträgern abgeschieden und anschließend mikroskopisch ausgewertet.
Relevanz: Gerade nach Sanierungsmaßnahmen, bei denen Desinfektionsmittel eingesetzt wurden, ist diese Untersuchung entscheidend, um verbleibende Restbelastungen durch tote Sporen erkennen zu können.
Nachweis von Schimmel und Bakterien auf Oberflächen
Abstrich-Verfahren
Eine Messung zum Nachweis von Schimmel und Bakterien auf Oberflächen ist die Abstrich-Methode. Bei dieser wird mit einem feuchten und sterilen Tupfer über Oberflächen gestrichen. Die Tupfer werden suspendiert und die Suspension anschließend auf Nährböden überführt und durch Kultivierung auf Schimmelpilzwachstum untersucht. Diese Methode ist eher zur Überprüfung von Oberflächen in der Lebensmittelindustrie, in Kliniken und bei der Hygieneinspektion von Raumlufttechnischen Anlagen gemäß VDI 6022 von Wärmetauschern geeignet. Denn hier ist Keimarmut wichtig.
Abklatsch-Verfahren
Gleiches gilt für die Abklatsch-Methode, bei der wir Nährböden direkt auf Oberflächen aufdrücken und diese anschließend im Inkubator bebrüten. Auf dem Nährboden keimen die erfassten Schimmelpilzsporen aus, bilden also eine Kolonie und können so nach Gattung und Art differenziert und gezählt werden. Diese Untersuchung eignet sich ebenfalls für Hygienemessungen in der Lebensmittelindustrie oder in Krankenhäusern, sowie bei der Hygieneinspektion von Raumlufttechnischen Anlagen gemäß VDI 6022.
Fazit
Es existieren unterschiedliche Messmethoden und jede hat ihre eigene Aussagekraft. Die Auswahl einer sinnvollen Methode ist Teil unserer Expertise und Erfahrung aus über 20 Jahren. Ob eine Untersuchung auf Schimmelpilze empfehlenswert oder sogar notwendig ist, erfahren Sie auf der Seite Schimmelmessung.
Häufige Fragen
Durch eine Raumluftmessung, bei der die Schimmelsporen auf Nährböden (Petrischale) festgehalten werden. Die Proben werden für 7-10 Tage inkubiert (bebrütet). Im Anschluss werden die entstandenen Schimmelkolonien nach Gattung und Art differenziert und bewertet (Gefährdungsermittlung).