Raumluftmessung / Raumluftanalyse

Raumluftmessung zum Nachweis von Schadstoffen

Eine Raumluftanalyse – umgangssprachlich auch Raumluftmessung genannt – ist sinnvoll, wenn bei den Nutzern der Räume körperliche Krankheitssymptome auftreten, der Arzt aber keine organischen Ursachen feststellen kann. Häufig erhält der Patient dann die Diagnose „Idiopathische Erkrankung“, was nicht mehr bedeutet als „Ursache nicht festzustellen“. Manche Ärzte empfehlenRaumluftmessung dann eine baubiologische Untersuchung der Wohnung oder des Gebäudes auf Gefahrstoffe oder Allergene. Dies gilt insbesondere dann, wenn Ihr Arzt im Blutbild entsprechende Auffälligkeiten ermittelt (erhöhte Anzahl an Antikörpern (z. B. IGG), Schwermetalle, Weichmacher, etc.).

Es existiert eine Vielzahl an Gefahrstoffen, die in Wohnräumen und Gebäuden vorkommen können. Manche dieser Gefahrstoffe verursachen (bei entsprechender Konzentration und Expositionsdauer) körperliche Missempfindungen oder gar konkrete Krankheitssymptome. Andere Gefahrstoffe werden im Körper gespeichert und reichern sich dort an, häufig im Fettgewebe. Später werden die Substanzen aus dem Fettgewebe langsam wieder in die Blutbahn oder Lymphe abgegeben und sorgen so für eine chronische Belastung des Organismus, obwohl die äußere Quelle eventuell schon länger nicht mehr existiert.

Um die relevanten Substanzgruppen einzugrenzen und so möglichst gezielte Untersuchungen durchführen zu können, führen wir daher vor einer Raumluftmessung ein Interview mit unseren Kunden. Durch gezielte Fragen zur Historie und Ausstattung des Gebäudes identifizieren wir dabei die Zielsubstanzen für die Raumluftmessung bzw. die relevanten Schadstoffgruppen. Ist eine bestimmte Raumluftmessung geplant, verifizieren wir vor Ort im Kontext der baulichen Ausführungen noch einmal deren Notwendigkeit und Aussagekraft. Hierbei wird also die geplante Untersuchung unter Einbeziehung von lokalen Faktoren, wie Einrichtungs- und Baumaterialien, Krankheitshistorie, etc. auf deren spätere Aussagekraft geprüft. Bei Bedarf ändern wir das Untersuchungskonzept. So werden überflüssige Untersuchungen und Kosten vermieden.

Raumluftmessung bei Gerüchen

Es gibt natürlich auch Situationen, in denen ein Interview nicht notwendig ist. Solch ein Fall liegt zum Beispiel vor wenn Gerüche auftreten. Beim Neubau z. B. kommen eine Vielzahl an  bauchemischen Produkten zum Einsatz, die nach Verarbeitung zunächst einmal ausdünsten müssen, d. h., deren flüchtige Inhaltsstoffe werden an die Raumluft abgegeben. Manchmal liegen diese Gerüche bereits beim Einzug vor, manchmal entwickeln sich diese erst nach einigen Wochen oder auch Monaten. Die Bewohner von Neubauten berichten oft über Atemwegsreizungen und Schwindel. Hier gilt es zeitnah zu überprüfen, ob es sich bei dem Geruch um gefährliche Substanzen handelt bzw. deren Gemisch in der Raumluft oberhalb eines kritischen Wertes liegt. Sind die Werte auffällig erhöht, kann dies ursächlich für Befindlichkeitsstörungen sein. Bei sehr hohen Werte kann sogar eine akute Gefährdung der Bewohner (toxische Wirkung) vorliegen.

Im Rahmen einer Raumluftmessung werden in der Regel die Richtwerte des Umweltbundesamts, der WHO oder der Länder als Referenzgröße verwendet und so eine mögliche Gefährdung bei Nutzung der Räume eingeschätzt. Bei Kindern, also im Kinderzimmer, ist eine Raumluftanalyse besonders wichtig, da diese weitaus sensibler sind als Erwachsene, da sich deren Organe und Gewebe noch in der Entwicklung befinden, die Zellteilungsrate also noch hoch ist.

Bei auffälligen Gerüchen in Gebäuden, egal ob im Schlafzimmer, Wohnzimmer, Kinderzimmer, Büro oder anderen Arbeitsplätzen ist es somit unbedingt sinnvoll die Raumluft überprüfen zu lassen. Und auch wenn bei der Raumluftanalyse keine toxischen Substanzkonzentrationen in der Raumluft nachgewiesen werden, verursachen Gerüche, wenn sie vom Gehirn als unangenehm oder gefährlich interpretiert werden (Stichwort: Hedonik), häufig psychische und / oder körperliche Erkrankungen.

Geruchlose Schadstoffe

Es kommt auch häufig vor, dass keine sensorischen Anomalien im Raum wahrzunehmen sind. Die Wohnung riecht nicht sonderlich auffällig, die letzte Renovierung liegt bereit länger zurück. Hier ist eine Raumluftmessung auf flüchtige Verbindungen in vielen Fällen nicht sinnvoll, da dann erfahrungsgemäß auch keine erhöhten Konzentrationen an diesen Verbindungen im Haus / der Wohnung vorhanden sind. Die Geruchsschwellen der Schadstoffe sind dabei aber zwingend zu berücksichtigen: So sind z. B. Glykole organoleptisch / olfaktorisch (über den Geruchssinn) schwer zu erfassen, haben aber eine z.T. starke Reizwirkung auf Atemwege und Schleimhäute. Zudem benötigen Glykole weitaus mehr Zeit, um aus den Bauteilen zu entweichen, da sie einen höheren Siedepunkt aufweisen, als andere Lösemittel. Diese und weitere Substanzgruppen mit ähnlichem Verhalten werden bei Vorliegen von Verdachtsmomenten daher vorsorglich von uns mit geeigneten Messverfahren überprüft.

Bei fehlenden Gerüchen kann aber auch eine erhöhte Konzentration an schwer-flüchtigen organischen Verbindungen (SVOC) vorliegen, die durch eine ungünstige Ausstattung des Gebäudes (Möbel, Tapeten, Farben, Bodenbeläge, etc.) eingebracht wurden. Diese sind geruchlich kaum wahrnehmbar, da sie nicht oder nur gering im gasförmigen Zustand vorliegen, kaum Wasserlöslich sind und so auch nicht den Übergang an die Rezeptoren in der Riechschleimhaut finden. Stattdessen lagern sie sich an Staubpartikel an und sinken zu Boden. Durch deren Mobilisation (Aufwirbelung) bei Nutzung des Raumes werden sie eingeatmet und können die Schleimhäute reizen und teilweise auch im Körper anreichern (je nach Substanz ist die Bioverfügbarkeit natürlich unterschiedlich). Hier ist eine Hausstaubuntersuchung eine sinnvolle Untersuchung.

Raumluftgutachten

Die Untersuchung von Schadstoffen in Gebäuden, sei es in der Raumluft oder in Bauteilen, ist eine komplexe Thematik. Daher erstellen wir zu unseren Schadstoffuntersuchungen schriftliche Raumluftgutachten / Schadstoffgutachten. In diesen werden die Gebäudehistorie, die Untersuchungsaufgabe, vor Ort erkannte Verdachtsmomente, angewendete Regelwerke, Messergebnisse und deren Bewertung aufgeführt. Zudem geben wir in Raumluftgutachten Empfehlungen zu notwendigen Maßnahmen, um eine vorliegende Schadstoffbelastung abzusenken oder besser zu minimieren. Dadurch erhalten Sie fachgerechte und fundierte Aussagen zur Situation und zu den notwendigen weiteren Maßnahmen. Dies versetzt Sie in die Lage mit Versicherungen und ausführenden Sanierungsfirmen auf Augenhöhe zu sprechen und mit stichhaltigen Argumenten in Vertragsverhandlungen zu treten.

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