Verwendung, Risiken und Nachweis

Warum ist eine Messung auf Holzschutzmittel sinnvoll?
Holzschutzmittel wurden im vergangenen Jahrhundert in verschiedensten Rezepturen eingesetzt. Leider auch in Innenräumen! Ziel war es, Holzbauteile vor Feuchtigkeit, Pilzbefall und Insekten zu schützen. In bestimmten Anwendungsbereichen (z. B. Holz mit dauerhaftem Erdkontakt) ist der Einsatz laut einschlägigen Normen aber auch heutzutage sinnvoll.
In den 1980er-Jahren kam es jedoch vermehrt zu problematischen Anwendungen: Viele Hauseigentümer nutzten Holzschutzmittel aus übertriebener Vorsicht auch im Innenbereich – insbesondere Produkte mit PCP (Pentachlorphenol) und Lindan (Hexachlorcyclohexan). Damals war die gesundheitsschädliche Wirkung dieser Substanzen kaum bekannt. Teilweise wurden sogar Produkte verwendet, die ausschließlich für den Außenbereich zugelassen waren.
Der Einsatz von Lindan im Hochbau wurde ab 1985 stark eingeschränkt und 1989 bundesweit verboten. PCP wurde ebenfalls 1989 verboten, kann jedoch bis heute in Importwaren vorkommen, da nicht alle internationalen Holzschutzmittel in den deutschen Regulierungen berücksichtigt sind.
Es kam zudem bis 2007 noch in medizinischen Präparaten (z.B. gegen Krätze) zum Einsatz. Der Einsatz von PCP ist zwar in Deutschland ebenfalls seit 1989 verboten, es kann aber, wie auch Lindan, in Importwaren vorkommen, da bezüglich Importwaren zwar neue Gesetze erlassen wurden, aber noch nicht alle Holzschutzmittel darin aufgenommen sind.
Belastung durch Holzschutzmittel in Innenräumen
Holzschutzmittel bilden eine heterogene Stoffgruppe und gasen aufgrund ihres geringen Dampfdrucks nur langsam aus. Dadurch tragen sie über Jahrzehnte zur kontinuierlichen Belastung der Raumluft bei.
In Gebäuden, die 1989 oder früher errichtet wurden, ist ein Vorkommen typischer Holzschutzmittel in der Innenraumluft häufig. Besonders verbreitet waren in den 1970er- und 1980er-Jahren Produkte mit PCP und Lindan, die oft in Kombination eingesetzt wurden, um Pilze und Insekten gleichzeitig zu bekämpfen.
Arten von Holzschutzmitteln
Holzschutzmittel lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:
Ölige Holzschutzmittel
– z. B. Teeröle wie Carbolineum, das früher u. a. bei Eisenbahnschwellen genutzt wurde.
– Stark PAKPAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) Definition: PAK sind eine Gruppe von chemischen Verbindungen, die aus mehreren Benzolringen bestehen. Sie entstehen vor allem bei der unvollständigen Verbrennung von organischen Materialien wie Holz, Kohle oder Öl.
Vorkommen: PAK wurden bis ca. 1980 häufig als Klebstoff für Parkett und Bodenbeläge verwendet. Danach nahm der Einsatz durch aufkommende Verbote deutlich ab. Weitere Anwendung waren z. B. der Schutz von Flächen und Bauteilen gegen Feuchteeinwirkung und als chemischer Holzschutz (Teeröle) Gesundheitsrisiken: Einige PAK gelten als krebserregend und können die Haut, die Atemwege sowie das Immunsystem schädigen. Sie sind in hohen Konzentrationen vor allem in Luft, Wasser und Boden nachweisbar. Beispiele: Benzo[a]pyren, Naphthalin, Anthracen. -haltig und als krebserregend eingestuft.
Lösemittelhaltige Holzschutzmittel
– hierunter fallen PCP und Lindan.
Wasserbasierte Holzschutzmittel
– z. B. Salzverbindungen wie PCP-Natrium.
Gesundheitliche Wirkung von Holzschutzmitteln
Die gesundheitlichen Effekte variieren je nach Wirkstoff. Am Beispiel von PCP und Lindan, den häufigsten Holzschutzmittel der 1960er–1980er-Jahre, lassen sich typische Wirkmechanismen verdeutlichen:
Aufnahmewege
PCP und Lindan können aufgenommen werden über:
- Raumluft / Atemwege (respiratorisch)
- Hautkontakt (dermal) – z. B. über belastete Textilien oder Oberflächen
- Mund (oral) – z. B. über Hausstaub, insbesondere bei Kleinkindern
Wirkung im Körper
- Aktivierung von Leberenzymen
- Entkopplung der Energiegewinnung in den Mitochondrien
- Schwächung des Immunsystems
Dies resultiert in unspezifischen Symptomen wie:
– Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme
– Erschöpfung, Abgeschlagenheit, schnelle Ermüdbarkeit
Auch organische Symptome sind möglich:
– Stoffwechsel- und Kreislaufstörungen
– Krämpfe, Erbrechen, Durchfall
Messung von Holzschutzmitteln in der Raumluft
Zur Untersuchung der Belastung durch Holzschutzmittel werden Raumluftproben aktiv entnommen und anschließend im Labor auf verschiedene Wirkstoffe analysiert (s. hierzu Raumluftmessung)
Für Innenräume existieren Richtwerte der WHO, des Umweltbundesamtes und früherer Landesgesundheitsämter.
Ein Beispiel:
- PCP > 1000 ng/m³ Raumluft → sofortiger Handlungsbedarf
- Vorsorgerichtwert für PCP in der Raumluft: <<100 ng/m³ Raumluft
Bei deutlicher Überschreitung des Vorsorgerichtwerts wird in der Regel eine Sanierung notwendig.
Alternative: Untersuchung des Hausstaubes
Da Holzschutzmittel zu den schwer-flüchtigen Substanzen gehören, binden diese bevorzugt an Staubpartikel. Daher ist die Hausstaubanalyse ein bewährtes Verfahren zur Ersteinschätzung, ob Holzschutzmittel im Haus verwendet wurden. Eine Gefährdungsermittlung für die Bewohner ist über den Hausstaub aber nicht möglich. Hierzu ist die Raumluftmessung die Methode der Wahl.