Schadstoffe in Kitas und Schulen

Schadstoffbelastung in Kitas und Schulen

Die meisten Kitas und Schulen in Deutschland sind in Gebäuden untergebracht, die aus der Nachkriegszeit (50er – 70er Jahre) stammen. Gerade in solchen Gebäuden finden wir bei unseren Untersuchungen aber häufig Schadstoffe in Kitas und Schulenhoch bedenkliche Konzentrationen an Altlasten (persistente Schadstoffe). Neben Asbest, das regelmäßig in solchen Gebäuden verbaut wurde, finden wir auch erhöhte Konzentrationen an PCB’s (polychlorierte Biphenyle) und PAK’s (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). In der Dokumentation „Schadstoffe in Schulen“ der ARD werden diese thematisiert, wenngleich dieser Bericht aus unserer Sicht einiger Korrekturen bedarf.

Nachweis von PCB und PAK in Gebäuden

PCB’s wurde damals insbesondere im Betonhochbau verwendet. Hier kam es häufig als Weichmacher in dauerelastischen Dehnungsfugen zwischen Betonfertigteilen oder an Waschbetonfassaden zum Einsatz (z. B. Morinoldichtungsmassen). Zur Gefährdungsbeurteilung durch PCB’s führen wir Raumluftmessungen durch. Das Umweltbundesamt hat für diese Gruppe einen Vorsorgerichtwert von 300 ng / m3 Raumluft festgelegt, der aber möglichst deutlich unterschritten werden sollte.

PAK’s wiederum sind Bestandteil von teerhaltigen Produkten. Diese wurden als Klebstoffe für Bodenbeläge (PVC-Fliesen und -bahnen, Parkett, etc.) aber auch als Abdichtungsmasse gegen Feuchtigkeit eingesetzt. Beiden Schadstoffgruppen gemein ist deren schädigendes und z. T. auch Krebserregendes Potential. Da es sich bei PAK und PCB um schwer-flüchtige Substanzen handelt, sind diese auch noch Jahrzehnte später in den Gebäuden nachzuweisen.

Aus der Gruppe der PAK ist Naphthalin die flüchtigste Verbindung. Naphthalin und einige weitere PAK können wir in der Raumluft nachweisen. Dagegen gehen höhere (komplexere) PAK nur schwer in die Gasphase über und sind daher eher im Hausstaub nachzuweisen. Der Staub auf dem Fußboden wird beim Gehen und Rennen der Kinder aufgewirbelt und kann so ebenfalls in die Atemwege gelangen.

Schwermetall in Schulen und Kitas

Letzte Untersuchungen durch unser Institut belegten einen erhöhten Gehalt an Schwermetallen im Hausstaub von Schulen. Quelle sind manchmal alte Bodenbeläge, die häufig noch auch dem Baujahr stammen. Nicht unterschätzen sollte man aber auch den nutzungsbedingten Eintrag von Schwermetallen durch die Kinder. Im Straßenstaub finden sich hohe Mengen an Schwermetallen, da diese bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe und dem Abrieb von Autoreifen und Bremsbelägen in die Umwelt gelangen. Durch die hohe Anzahl an Kindern und den Wechsel von draußen nach drinnen nach der Pause wird der belastete Straßenstaub in die Schulen und Kitas eingetragen. Schulen an stark befahrenen Straßen weisen daher meist höhere Konzentrationen an Schwermetallen auf, als Schulen und Kitas auf dem Land.

Gefährdung in Kitas und Schulen durch hormonartig wirkende Weichmacher

Aktuelle Untersuchungen belegen, dass in den Räumlichkeiten von Kitas häufig hohe Konzentrationen an Weichmachern vorliegen. Ursachen hierfür sind die zahlreichen Weich-Spielzeuge, preisgünstige Fußbodenbeläge, schmutzabweisende Tapeten und nicht zuletzt Reinigungs- und Pflegemittel, die der Reinigungsdienst tagtäglich auf den Böden ausbringt. In vielen Kitas haben wir bei Anlassbezogenen Untersuchungen hohe Konzentrationen an Weichmachern im Staub ermittelt und diese in Größenordnungen, bei denen von einer Gefährdung des kindlichen Organismus ausgegangen werden musste. Besonders Flammschutzmittel und Weichmacher haben häufig hormonartige Wirkungen (endokrine Disruptoren) und können bei Jungen z. B. zu Unfruchtbarkeit führen, da sie Prozesse beinflussen, die durch das männliche Sexualhormon Testosteron gesteuert werden. Weiterhin besteht der Verdacht der Begünstigung eines Diabetis durch Weichmacher.

Da besonders Kleinstkinder Spielzeug gerne mit dem Mund untersuchen und Kleinkinder sich häufig bodennah aufhalten, sind Kinder im Krabbelalter am gefährdetsten, da sie den mit Flammschutzmittel und Weichmacher belasteten Staub sowohl oral (Mund) als auch dermal (Haut) aufnehmen.

Unser Angebot

Um eine Gefährdung der Kinder in Kitas, Kindergärten und Schulen durch Schadstoffe auszuschließen, untersuchen wir diese auf PAK, PCB, Weichmacher, Flammschutzmittel und andere Schadstoffe, ermitteln deren Quelle und beraten Sie hinsichtlich der Entfernung und Vermeidung dieser.

Kinder und Schadstoffe

Hintergrund: Kinder sind gegenüber Schadstoffen um ein Vielfaches sensibler als Erwachsene. Ursache hierfür ist, dass sich der Organismus von Kindern vorwiegend in der Aufbauphase mit einhergehender Zellneubildung befindet, während sich im Erwachsenenalter ein Gleichgewicht zwischen Auf- und Abbau einstellt. Mit steigendem Alter wird das Verhältnis auf die Seite des Zellabbaus verschoben. Bei der Bildung neuer Zellen werden Bausteine aus dem Blut und umliegenden Gewebsflüssigkeiten verwendet. Befinden sich Schadstoffe in diesen, können bei der Zellteilung oder dem späteren Zellstoffwechsel Fehler entstehen, die die Funktionen der Zelle und /oder anderer Zielorgane einschränken. Die Folge hiervon sind je nach Speicherorgan und Schadstoff entweder eine akute Schädigung oder die chronische Vergiftung des kindlichen Organismus. Das Risiko durch im Fettgewebe gespeicherte Schadstoffe innerhalb der Lebenszeit zu erkranken, ist aufgrund der längeren Restlebensdauer von Kindern sehr viel größer als bei Erwachsenen.

 

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