Allgemeines zu Schimmel
Unter Schimmel (genauer: Schimmelpilz) werden Filamentbildende Pilze verstanden. Diese stammen zum überwiegenden Teil aus der Gruppe der Schlauch- und Jochpilze. Die Gesamtheit der Filamente wird als Pilzmycel bezeichnet, das den eigentlichen Schimmel als Organismus darstellt. Zwecks Erhaltung des Organismus wachsen in bestimmten Situationen Sporenträger aus dem Myzel aus. Diese tragen je nach Gattung und Art einzelne bis tausende von Sporen. Die Sporen werden in die Raumluft abgegeben und gelangen mit Luftströmungen auf andere Oberflächen. Dort warten sie auf günstige Bedingungen, keimen aus und bilden ein neues Schimmelpilzmycel, das wiederum Sporenträger ausbildet, usw. Schimmel benötigt in erster Linie Feuchtigkeit. Die anderen notwendigen Faktoren wie Licht, Sauerstoff, Nährstoffe, ph-Wert, etc. liegen in unseren Wohnbereichen meist optimal oder zumindest ausreichend vor. Daher ist Feuchtigkeit der limitierende und damit wichtigste Faktor.
Vorkommen von Schimmel
Schimmel kommt überall vor, da er ein notwendiger Bestandteil der belebten Natur ist. So baut Schimmel als Saprophyt organisches Materialien (tote Pflanzen, Bäume, etc.) ab und gibt so deren Nährstoffe in den Boden frei, die von wachsenden Pflanzen wieder verwendet werden können. Im Innenraum trifft man auf Schimmel für gewöhnlich bei Lebensmitteln (Käse, Brot, Wurst, Getränke). Aber auch auf anderen organischen Materialien wie Acryldichtungen im Bad, auf Kunststoffen, Textilien und sogar auf Fensterscheiben, wird er gefunden. Dort hat nämlich das Gemisch von Luftfeuchte, Fettsäuren (Kochdünste) und Hausstaub einen ausreichenden Nährboden geschaffen.
Schimmelpilz in der Wohnung?

Schimmelpilz in der Wohnung!? So nützlich Schimmelpilz in der freien Natur ist (s. Video), in der Wohnung kann dieser Ihre Gesundheit belasten. Je nach Art des Feuchteschadens und dessen Ursache wächst er entweder sichtbar auf den Wänden oder verdeckt hinter Verkleidungen und Tapeten.
In Innenräumen, besonders im Wohn- und Schlafzimmer, sollte eine bestimmte Konzentration an Schimmelsporen in der Raumluft nicht überschritten werden. Denn: Sporen und Hyphen des Schimmel können vielfältige Erkrankungen auslösen. Dazu gehören z.B. ständige Abgeschlagenheit, Augenjucken oder -brennen, Atemwegsbeschwerden bis hin zum Asthma bronchiale. Aber auch chronische Erschöpfungszustände, Darmerkrankungen und andere Symptome werden mittlerweile auch von Medizinern auf einen mögliche Belastung der Raumluft mit Schimmelsporen zurück geführt.
Die Ergebnisse zweier repräsentativer Studien aus Bielefeld und Jena (2005) belegten einen Feuchteschaden in ca. 22% aller Haushalte, der mit einem Schimmelbefall einher ging. Die Bewohner waren zumeist ahnungslos. Feuchte Tapeten aufgrund einer zu geringen Belüftung der Räume, fehlerhaftes Heizverhalten, bauliche oder stoffliche Wärmebrücken, sowie Bau- und Wasserschäden sind die häufigsten Ursachen für einen Befall mit Schimmelpilz in Wohnräumen.
Das eigentliche Problem mit Schimmelpilz ist, neben der Zerstörung der befallenen Materialien, die Art seiner Fortpflanzung. Er vermehrt sich durch die Bildung von zumeist luftgängigen Sporen. Gattungen, wie Aspergillus oder Penicillium geben diese zu Millionen in die (Raum-)Luft ab. Bei anderen Gattungen bleiben die Sporen in einer Schleimmatrix haften und werden nur schlecht oder erst beim Abtrocknen des Schimmelpilzes in relevanten Mengen freigesetzt (dies ist besonders bei Trocknungsmaßnahmen zu beachten). Zusammen mit der Raumluft werden diese Schimmelsporen vom Menschen eingeatmet und können Allergien, Hautausschläge, Asthma und andere körperliche Symptome verursachen.
Verdacht auf Schimmel?

Sollten Sie den Verdacht haben, dass Ihre Wohnung oder Ihre Immobilie mit Schimmel belastet ist, können wir durch eine Raumluftmessung eine Sporenbelastung nachweisen bzw. ausschließen. Verdachtsmomente sind immer ein muffiger Geruch oder eine Verfärbung der Wandoberflächen. Je nach Ursache kann bereits durch die Durchführung einfacher Maßnahmen eine Ausweitung des Befalls und dessen Neubildung nachhaltig verhindert werden.
Schimmelpilze sind hochgradig genügsam in Bezug auf ihre Umgebungsbedingungen. Als Nahrung dient ihnen die Zellulose in Tapeten, der Kohlenstoff der Silikondichtungen am Badewannenrand, die Seifenreste in den Fliesenfugen der Dusche. Selbst das bisschen Staub, der sich mit der Zeit auf Wänden und Fenstern niederschlägt, ist als Nährstoffquelle ausreichend. Schimmel benötigt kein Licht, keine Wärme, kaum Sauerstoff! Was er aber dringend benötigt ist – Feuchtigkeit! Daher gilt es diesen wichtigsten Faktor auszuschalten!
Schimmelpilze findet sich manchmal mit Bakterien, meist Actinomyceten, vergesellschaftet. Da Bakterien mehr Feuchtigkeit benötigen, um sich entwickeln zu können, vermehren sich diese in der Regel nicht bei Kondensfeuchteschäden, sondern eher bei Rohrleckagen von Wasserleitungen oder einem kontinuierlichen Feuchteeintrag von außen, z.B. bei unzureichender Feuchtigkeitssperre an Außenwänden. Wie auch mancher Schimmelpilz, so produzieren auch Bakterien toxische Stoffwechselprodukte, die sie in die Raumluft abgeben und so zu einer zusätzlichen Belastung der Atemluft beitragen.
Toxizität von Schimmel
Konkrete Angaben zu gesundheitlichen Wirkungen von Schimmelpilzen beim Menschen kann Stand des Wissens bis heute nicht festgelegt werden. Zu unterschiedlich sind die krankmachenden Potentiale der einzelnen Schimmelpilzarten, zu heterogen die Sensibilität der Bewohner. Zudem sind nur bestimmte Arten von Schimmel in der Lage Pilzgifte (Mykotoxine) zu bilden und in die Raumluft abzugeben. Zeitpunkt und Menge und vor allem die notwendigen Raumklimaparameter, bei dessen Vorliegen Mykotoxine gebildet werden, sind oft nur unzureichend bekannt. Am bekanntesten ist die Gruppe der sogenannten Aflatoxine, die als krebserregend eingestuft sind. Diese Pilzgifte und andere Stoffwechselprodukte sind es, die bei den Bewohnern zu körperlichen Symptomen, wie Kopfschmerzen, Durchfall, Konzentrationsschwäche, etc. führen können.
Manche Schimmelpilze können Infekte auslösen (z.B. Aspergillus flavus, A. fumigatus) und unter bestimmten Bedingungen auch den menschlichen Organismus schädigen (Aspergillose). Andere Schimmelpilze sind hierzu nur in der Lage, wenn sie auf ein sehr schwaches Immunsystem beim Menschen treffen, wie es z.B. nach Organtransplantationen oder bei AIDS-Patienten der Fall ist. Weiterhin haben alle Arten von Schimmel ein mehr oder weniger starkes allergenes Potential, was bei der Entwicklung von Asthma einen wichtiger Faktor darstellt.
Im Verdachtsfall ist es daher sinnvoll eine Messung auf Schimmel in der Wohnung, insbesondere des Schlafplatzes, durchzuführen.
Unter WHO – Leitlinien können Sie die Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation zum Thema Schimmelpilze und Feuchtigkeit herunterladen.