PCB und PCB-Messung

PCB in GebäudefugePCB (polychlorierte Biphenyle) und deren Überprüfung in der Raumluft (PCB-Messung) gehören zu den Schwerpunkten bei der Untersuchung und Sanierung von Altbauten. Der Ausdruck PCB steht hier für eine große Gruppe von Substanzen, die auf dem Grundgerüst des Biphenyl basieren. Biphenyl gehört zur Gruppe der aromatischen Kohlenwasserstoffe und hat biozide Eigenschaften, weswegen es früher als Konservierungsstoff in Nahrungsmitteln verwendet wurde. Es ist heute wegen des Verdachts kanzerogen zu sein in der EU nicht mehr zugelassen.

Durch partielle oder vollständige Substitution der Wasserstoffatome des Biphenyls durch Chloratome an den 10 Bindungsstellen entstehen PCB’s. Die daraus resultierenden 209 Kombinationsmöglichkeiten ergeben verschiedene PCB’s, die sogenannten Kongenere. Manche dieser 209 Kongenere haben starke Ähnlichkeit mit Dioxinen und sind daher entsprechend toxischer als andere Kongenere.

Eigenschaften und Verwendung

Mit steigendem Chlorierungsgrad des Grundgerüsts steigt die Viskosität der PCB’s und die ohnehin geringe Löslichkeit in Wasser nimmt weiter ab. Aufgrund dieser Eigenschaften wurden in den 50er – 70er Jahren die hochchlorierten Verbindungen als Fugendichtungsmassen in Gebäuden eingesetzt, wogegen die niederchlorierten Verbindungen als öliges Elektrolyt in alten Kondensatoren zu finden sind. PCB’s fungieren als Weichmacher in Kunststoffen und sind schwer entflammbar. Die Quellen in älteren Gebäuden sind daher vielfältig, wobei Fugenmassen, Flammschutzanstriche,  Bodenbelagsklebstoffe und die Verwendung als Schalöle im Betonbau die häufigsten sind.

Gesundheitliche Wirkungen

PCB’s sind gut fettlöslich und reichern sich daher nach Aufnahme im Fettgewebe des Menschen an. Aufgrund technisch bedingter Verunreinigungen bei der Herstellung von PCB’s sind die Endprodukte auch mit Dioxinen und Furanen verunreinigt, denen eine besonders hohe Toxizität eigen ist. PCB’s selbst haben nur eine schwache akut toxische Wirkung. Erkrankungen entstehen daher nicht zeitnah nach der Aufnahme in den Körper, sondern durch die langjährige kontinuierliche Aufnahme geringer Mengen und deren Anreicherung im Körper. PCB’s sind neuro- und immunotoxisch und gemäß TRGS 905 als krebserregend (K3) und reproduktionstoxisch (R2) eingestuft.

PCB-Messung

Zur Vermeidung einer chronischen Belastung durch PCB’s sollten Altbauten, insbesondere Platten- und Beton(skelett)bauten aus den Baujahren vor 1980 einer Überprüfung unterzogen werden. Dies gilt natürlich insbesondere bei Nutzung des Gebäudes als Sporthalle, Schule oder Kita. Es existieren Vorsorgerichtwerte für PCB’s in der Raumluft. Diese sollten nicht überschritten werden, um Langzeitschäden und Spätfolgen bei den Kindern und Nutzern zu verhindern. Die Einhaltung dieser Vorsorgerichtwerte in Schulen und Kitas ist aus unserer Sicht daher zwingend durch eine PCB-Messung zu überprüfen.

PCB-Sanierung

Bei Vorliegen erhöhter PCB-Konzentrationen in der Innenraumluft sind dessen Quellen zu ermitteln (Schadstoffkataster) und zu entfernen (PCB-Sanierung). Bei einer PCB-Sanierung ist zu beachten, dass nicht nur die Primärquellen zur Raumluftbelastung beitragen. Eine PCB-Sanierung in Gebäuden muss daher mit Sachverstand durchgeführt werden. Der Erfolg der Sanierung ist im Nachgang durch eine PCB-Kontrollmessung der Raumluft zu überprüfen (Sanierungskontrolle, Erfolgskontrolle). Hier ist auf jahreszeitliche Schwankungen der Klimaparameter zu achten und die Messwerte entsprechend zu interpretieren.