Geruch im Büro

Wenn Geruch im Büro zur Belastung wird

Ob Geruch im Büro eine Belastung darstellt, ist nur selten objektiv erfassbar. Zu stark ist die wahrgenommene Geruchsqualität (Hedonik) interindividuellen Schwankungen unterworfen. Ob wir Kein Geruch im Büronämlich einen Geruch als angenehm oder unangenehm empfinden, hat viel mit unserer kulturellen Herkunft zu tun. Ebenso sind positiv oder negativ gefärbte Erfahrungen bezüglich dieses speziellen Geruchs relevant. Darüber hinaus nehmen auch die Wahrnehmung und Bewertung der aktuellen Situation und noch viele weitere Faktoren Einfluss darauf, wie unser Gehirn Gerüche qualifiziert.

Daneben gibt es aber auch evolutionäre Faktoren, die bei den meisten Menschen etwa gleich ausgeprägt sind. Diese befähigen uns z. B. verdorbenes Essen oder Trinkwasser zu erkennen. Und ob wir einen Geruch überhaupt wahrnehmen, ist ebenfalls starken Schwankungen zwischen Individuen unterworfen. Während der Kollege kaum etwas wahrnimmt, hält man es selbst kaum im Raum aus. Dabei müssen die Gerüche nicht immer zwingend durch Schadstoffe aus Möbeln, Teppichen, Klebstoffen oder von Schimmelpilzen herrühren. Manchmal sind es wirklich auch soziale Faktoren, wie das Verhältnis zum Vorgesetzten oder Kollegen und Kolleginnen im Raum, die man einfach „nicht riechen“ kann.

Ursache von Gerüchen im Büro

Gerüche im Büro sind aber immer auf chemische Verbindungen zurückzuführen, unter denen leider auch regelmäßig ausgewiesene Schadstoffe zu finden sind. Diese treten z.B. nach dem Einbringen von neuen Bodenbelägen und Einrichtungsgegenständen oder nach Renovierung oder Sanierung auf. Es gibt Fälle, in denen ein Geruch von einem Tag auf den anderen auftritt. Oder es kommt über die Tage und Wochen zu einer Verstärkung des Geruchs im Büro, dem nur noch mit viel Lüften zu begegnen ist. Es treten auch Fälle auf, bei denen der Geruch nur an manchen Tagen auffällig ist und an anderen wieder nicht. Die  Komplexität ist in manchen Fällen enorm!

Wirkungen von Geruch im Büro / am Arbeitsplatz

Unabhängig von zeitlichen und quantitativen Betrachtungen: Von uns als unangenehm empfundene Gerüche werden von unserem Gehirn als Warnsignal interpretiert. Auf dieses Warnsignal reagiert der menschliche Organismus evolutionär mit der Vorbereitung auf Kampf oder Flucht. Da ein Ausleben solcher Reaktionen am Arbeitsplatz (Büro, o.ä.) in der Regel kaum möglich ist, müssen diese natürlichen Reaktionen unterdrückt werden. Die betroffenen Personen sind unterbewusst aber in einer Daueralarmierung gefangen, also psychologisch einem Dauerstress ausgesetzt!  Dieser Dauerstress wirkt sich bei anhaltender Belastung auch physiologisch aus und kann nach einiger Zeit zu körperlichen Symptomen und Erkrankungen führen. Dabei ist es unerheblich, ob die den Geruch auslösenden Substanzen in der Raumluft aus toxikologischer Sicht wirklich schädigend sind. Das Gehirn ist alarmiert. Mögliche körperliche Symptome sind vielfältig. So können Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Abgeschlagenheit, schnelle Ermüdung, generelle Müdigkeit, Augenbrennen, Gereiztheit, Bauchschmerzen, erhöhter Blutdruck, etc. auftreten.

Gerüche – Nicht mit dem Verstand zu bewerten

Sich selbst einzureden oder einreden zu lassen, dass der Geruch schon nicht so schlimm sei, funktioniert leider nicht! Denn unser Geruchssinn ist ein entwicklungsgeschichtlich ein sehr alter Sinn, der ohne Verschaltung über das Großhirn (Verstand) mit dem limbischen System (Gefühle) und dem Hypothalamus (Reaktion auf Außenreize) verbunden ist. Unser Verstand hat daher keine Chance sich dazwischen zu schalten und die Signale zu bewerten. Gerüche sind daher sehr mächtig und können eine Vielzahl an positiven wie negativen körperlichen Reaktionen auslösen!

Bei einem unerklärlichen Auftreten von Gerüchen im Büro / Arbeitsraum / Wohnraum ist es daher zunächst wichtig, eine toxikologische Bewertung der Raumluft vorzunehmen, um ein akutes oder chronisches Schädigungsrisiko ausschließen zu können. Werden dabei auffällige Konzentrationen organischer Verbindungen ermittelt, sollten die relevante Quellen aufgedeckt und soweit möglich entfernt werden. Ist der Befund der Raumluftmessung negativ („unbelastete“ Raumluft), sollten die psychosozialen Faktoren innerhalb der Belegschaft beleuchtet werden.