Geruch im Büro

Wenn Geruch zur Belastung wird

Ob Geruch im Büro eine Belastung darstellt, ist nur selten objektiv erfassbar. Zu stark ist die wahrgenommene Geruchsqualität (Hedonik) interindividuellen Schwankungen unterworfen. Ob wir gesunder arbeitsplatznämlich einen Geruch als angenehm oder unangenehm empfinden, hat viel mit unserer kulturellen Herkunft, mit positv oder negativ gefärbten Erfahrungen bezüglich des Geruchs, der aktuellen Situation und vielen weiteren Faktoren zu tun.

Daneben gibt es aber auch evolutionäre Faktoren, die bei bei den meisten Menschen etwa gleich ausgeprägt sind und die uns z. B. befähigen verdorbenes Essen oder Trinkwasser zu erkennen. Ob wir einen Geruch überhaupt wahrnehmen ist ebenfalls starken Schwankungen zwischen Individuen unterworfen. Während der eine kaum etwas wahrnimmt, hält man es selbst kaum im Raum aus. Die Gerüche müssen nicht zwingend durch Schadstoffe aus Möbeln, Teppichen, Klebstoffen oder Schimmelpilzen herrühren. Manchmal sind es auch soziale Faktoren, wie das Verhältnis zum Vorgesetzten oder Kollegen und Kolleginnen im Raum, die man einfach „nicht riechen“ kann.

Häufig sind es aber Schadstoffe, die durch das Einbringen von neuen Bodenbelägen und Einrichtungsgegenständen oder nach Renovierung oder Sanierung in Bestandsgebäuden auftreten und die Raumluft wahrnehmbar belasten.

Von uns als unangenehm empfundene Gerüche werden von unserem Gehirn meist als Warnsignal interpretiert, worauf der menschliche Organismus evolutionär mit Kampf oder Flucht reagieren möchte. Da dies am Arbeitsplatz (Büro, o.ä.) in der Regel nicht möglich ist, müssen diese Fluchtreflexe unterdrückt werden. Die betroffenen Personen sind physiologisch betrachtet einem Dauerstress ausgesetzt.  Dieser kann nach einiger Zeit zu Erkrankungen führen, obwohl die den Geruch auslösenden Substanzen in der Raumluft aus toxikologischer Sicht nicht einmal schädigend sein müssen. Mögliche Symptome sind vielfältig und können als Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, Augenbrennen, Gereiztheit, Bauchschmerzen, etc. auftreten.

Bei einem unerklärlichen Auftreten von Gerüchen im Büro / Arbeitsraum / Wohnraum ist es daher zunächst wichtig, eine toxikologische Bewertung der Raumluft vorzunehmen, um ein akutes oder chronisches Schädigungsrisiko ausschließen zu können. Bei auffälligen Raumluftkonzentrationen flüchtiger und mittelflüchtiger organischer Verbindungen sollten, entsprechend des in der Raumluft ermittelten Substanzprofils, relevante Quellen aufgedeckt und soweit möglich entfernt werden. Bei „unbelasteter“ Raumluft sollten die psycho-sozialen Faktoren innerhalb der Belegschaft beleuchtet werden.